Statement zur Demo von Migrantifa Hessen am 03.10.2020

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Wir von Migrantifa Hessen möchten uns hiermit dafür verantworten, dass wir am 03.10.2020 auf unserer Demonstration “Moria Befreien” israelbezogenem Antisemitismus in Form von Parolen und Aussagen eine Bühne geboten haben. Hierfür bitten wir um Verzeihung.

Jüdische Perspektiven wurden sowohl im Rahmen dieser, als auch anderer Veranstaltungen nicht gehört. Die Veranstaltungen unserer Gruppe bildeten bisher keinen Ort an dem sich jüdische Menschen sicher und gehört fühlten. Als migrantisch markierte Gruppe sollte es jedoch unsere Priorität sein, Betroffenenperspektiven zu hören und ihnen Gehör zu verschaffen, sowie kontinuierlich gegen jede Form von Diskriminierung in unseren eigenen Räumen zu arbeiten. In dieser Hinsicht haben wir versagt.

Wo jüdisches Leben existiert, muss es geschützt und bewahrt werden. Dazu gehört auch das unverhandelbare Existenzrecht Israels als Schutzraum und Zufluchtsort jüdischer Menschen auf der ganzen Welt.

Wir möchten die Situation palästinensischer Menschen nicht unsichtbar machen. Als Gruppe stehen wir gegen jede Form der Unterdrückung und bleiben solidarisch mit betroffenen Palästinenserinnen. Unser Anspruch ist es, eine differenzierte Sichtweise auf den „Nahostkonflikt” zu ermöglichen, in welcher die Stimmen von Menschen jeglichen Glaubens, sowie Israelis und Palästinenserinnen gehört und ihnen weder ihre Perspektiven noch ihre Existenzen abgesprochen werden. Dies ist uns bisher nicht gelungen.

Es ist unentschuldbar, dass am 03.10.2020 im Verlaufe der Demonstration kein Gruppenmitglied einschritt, als es um problematische Inhalte ging.

Ebenfalls Ist es unentschuldbar, dass weder In der Vorbereitung der Demonstration eine größere Auseinandersetzung zu der Thematik stattfand, noch in der Nachbereitung die Problematik hinreichend erkannt wurde.

Die internen Gruppenstrukturen von Migrantifa Hessen haben den Vorfall nicht verhindert und auch Im Anschluss nicht klar aufgearbeitet. Hierfür müssen wir Verantwortung übernehmen und unsere politische Praxis grundlegend reflektieren und hinterfragen.

Die migrantische Selbstorganisierung kann und wird für uns nur nach der Aufarbeitung dieser Fehler im Rahmen einer kritischen Reflexion unseres eigenen Antisemitismus, sowie einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit uns Selbst, unserer Haltung und unseren Strukturen weitergehen. Wir möchten dabei lernen, entschieden gegen jeden Antisemitismus vorzugehen und ziehen uns aus diesen Gründen bis auf weiteres aus der öffentlichen politischen Arbeit zurück.

Mit öffentlich kundgetaner Kritik von Einzelmenschen sowie Bündnispartner*innen, werden wir uns in der Nachbereitung genaustens auseinandersetzen. Jedoch distanzieren wir uns ausdrücklich von der Gruppe Free Palestine FFM und ihrem Statement zur Veranstaltung sowie der ihr nahestehenden Gruppe Stop Child Detention.

Oft sprechen wir von Migrantifa als die Antwort auf den rechtsterroristischen Anschlag in Hanau.

Aber Hanau zeigt, dass wir den Kampf gegen Rassismus und den Kampf gegen Antisemitismus nicht gegeneinander ausspielen dürfen – denn diese gehören zusammen.

Wir möchten daher an der Hoffnung festhalten, aus unseren Fehlern lernen zu können, um unsere Arbeit für eine bessere Gesellschaft gemeinsam fortsetzen zu können.

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